Eigentlich war es genau das, was sie sich immer gewünscht hatte.

Den Tagesablauf selbst bestimmen. Sich nicht immer zurechtmachen müssen fürs Büro. Mittags vielleicht mal ein kurzes Nickerchen auf dem Sofa machen. Endlich nicht mehr dieser doofen Kollegin aus dem anderen Büro begegnen.

Wie oft hatte sie ihre Freundin beneidet, die das schon lange hatte – zwei Tage in der Woche konnte sie von zuhause aus arbeiten?

Und sie stellte es sich herrlich vor.

Denn: sie war im Homeoffice. Endlich.

Doch nun war es irgendwie alles anders.

Denn: es herrschte Corona.

Und es waren nicht nur wunderbare, erstrebenswerte zwei Tage die Woche, die sie im Homeoffice sein durfte. Nein, sie war fünf Tage die Woche dort. Und das schon seit Monaten.

Doch damit nicht genug.

Denn: ihr Mann war es auch.

Und damit begannen die Probleme.

Nicht ihr Mann war ein Problem.

Doch alles zusammen – das war Zuviel.

24/7 aufeinander hocken, seit Monaten sich nicht aus dem Weg gehen können, manchmal waren noch nicht einmal Frust-Shopping-Erlebnisse drin, weil die Geschäfte geschlossen waren. Und dann „das bisschen Haushalt“, nebenher. Sagte ihr Mann. Oder sie sich selbst.

Das muss doch zu wuppen sein?

Irgendwie war es einfach zu viel.

Zuviel von allem. Zu viel Partnerschaft, zu viel Nähe, zu viel Haushalt, zu viel Onlinemeetings …

Kennt ihr diese Situation? Dicke Luft im Office@Home?

Willkommen im Club.

Kaum ein Paar hat während der letzten Monate nicht erlebt, wie schwierig es ist, die Stimmung in der Beziehung positiv und locker zu halten, wenn man sich kaum noch aus dem Weg gehen kann.

Dabei hatte man sich früher mal danach gesehnt, viel Zeit miteinander verbringen zu können.

Und nun das?

Warum? Weil vieles von dem, was wir für uns, und nur für uns (als Einzelperson) tun, weggefallen ist.

Sport? – Studio geschlossen.

Reisen? –  Alle Hotels sind zu.

Kino? – da läuft nichts.

Eine neue Frisur? – nur zuhause und eingeschränkt machbar.

Stattdessen merkt man, wie klein die eigene Wohnung plötzlich ist.

Da fehlen einfach ein paar Zimmer, der Escape Room, sozusagen. Um einfach mal abzutauchen.

Wir reiben uns aneinander – und jede noch so kleine Ecke und Kante wird spürbar am Partner.

Wir können nicht einfach mal ausbrechen – und stattdessen bricht in uns etwas aus.

Was jetzt nicht geklärt ist in unserer Beziehung, das sucht sich jetzt seinen Weg. Bricht aus.

Jetzt zeigt sich, ob die Beziehung einer Krise (und das stellt die Pandemie-Situation sicherlich für jeden dar) stabil bleibt. Ob man den Halt vom Partner bekommt, den man gerade benötigt?

Manchmal braucht es nur ein offenes Ohr, um das Gefühl zu haben, gehört zu werden.

Werden wir uns bewusst, dass wir beide im gleichen Boot sitzen, kann das zur Entspannung führen. Denn beide sind wir davon betroffen – jeder auf seine Art.

Der eine hat vielleicht den Haushalt vermehrt an der Backe, der andere jedoch die Sorge um seinen Job?

Gelingt es uns beiden dann, auch für die Sorgen, Gedanken und Gefühle des Anderen Augen und Ohren offen zu haben, dann relativiert sich auch die eigene Situation wieder.

Sich bewusst machen, dass es immer auch eine andere Seite der Medaille, eine andere Wahrnehmung der Situation gibt – das entspannt vieles.

Nicht gegeneinander aufwiegen, was für Lasten man selbst hat. Sondern dem anderen die Hand reichen, und gemeinsam alles stemmen, was anliegt.

Dazu gehört auch, mal den Mund auf zu machen und offen den Partner um Unterstützung zu bitten.

Ja, es ist eine Herausforderung für die Beziehung. Doch man kann auch gestärkt daraus hervor gehen.

Wenn man diese Zeit nutzt, um in Liebe vieles, was aneckt, in der Partnerschaft nun endlich zu klären, hat man auch diese Krise sehr gut für sich und die Liebe genutzt.

Ich wünsche euch gutes Gelingen. Alles Liebe! Barbara Waldner

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